Dienstag, 16. August 2022

Tag 11: Ljubljana bis Postojna

Ljubljana bis Postojna:

Ich nutze mehrere Methoden zur Navigation:
1. Navi, auf dem ich meine Strecken speichere
2. Handy
3. Wegweiser
    (Kartenmaterial liegt in Graz)
4. Zettel

JA! Zettel. Da ich gerne dazu neige, im Kreis zu fahren (mein Orientierungssinn ist nicht sehr ausgeprägt), hab ich gestern Abend noch die Umgebung vom Hotel erkundet und mir alles notiert, um aus Ljubljana rauszufinden und auf meiner gespeicherten Strecke weiterzufahren.


Hat alles wunderbar funktioniert, bis ich bei der Abzweigung zur "Crna vas" (meiner Route) stand. BAUSTELLE! GESPERRT! Somit trat Variante 5 in Kraft: Umleitung. Und die hat mich auf die Pist' geführt. Wie konnte es anders sein.

Aber alles der Reihe nach.

Mein Blick auf die Wetter APP zeigte mir Regen in Ljubljana. Kann doch nicht sein? Ich ging auf den Balkon. Regen. Ähm... Ich wechselte die Wetter APP. Wieder Regen. Egal. Zuerst kommt das Frühstück. Dann schauma weiter. Das Frühstück war heute leider sehr spartanisch und eher einfallslos. Nur der Kaffee war gut. Aber ich wurde immerhin satt. Auch viel wert.

Da es nach dem Frühstück noch immer leicht nieselte, machte ich mich regendicht und fuhr los. 16 °C, starke Bewölkung (eh klar, wenn es regnet). Aber die Wetter APP sagte, dass der Regen um 11 Uhr aufhören soll. Bis dahin wartete ich natürlich nicht.

Wie durch ein Wunder war der Regen nach einer halben Stunde vorbei, und ich konnte meine Regensachen wegpacken.

Wie schon oben erwähnt, stand ich gleich nach dem Verlassen von Ljubljana vor der Baustelle und musste über eine Rumpelpiste weiterfahren. 10 km Umweg. Super! Und das auf Sand und Schotter. Aber ab Podkraj war ich wieder auf meiner Route und auf gutem Asphalt unterwegs.

In Jezero, nach ca. 22 km Fahrt, kündigte sich der Berg des Tages an. Ich fuhr am Fuße eines bewaldeten Hügels entlang, bevor der Anstieg begann. Auffi auf den Berg war die Devise. Der Anstieg auf eine Höhe von 910 m war allerdings halb so wild. Zweimal war er von einem kurzen Flachstück unterbrochen, der maximale Steigungsgrad betrug 13 %, und die hatte es immer nur kurzzeitig. Ein paar Aufs und Abs waren nach dem Erreichen der 910 m ebenfalls dabei. Landschaftlich war die Strecke sehr schön.


















Beim Bergabfahren suchte ich lange nach einer Möglichkeit, um Mittag zu essen. Die kleinen Dörfer haben zwar immer eine Kirche, aber ein Gasthaus findet man selten. Meine Hoffnung richtete sich auf Cerknica. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Bevor ich jedoch Cerknica erreichte, stand ich schon wieder vor einer Barrikade. In Slowenien scheint die Bauwut ausgebrochen zu sein. Ich fragte einen Bauarbeiter, ob ich trotzdem weiterfahren könnte (fragen kann man ja). Er meinte - rechts vorbei, Berg rauf, Wald, Schotter, dann Kreuz, dann links, dann wieder Schotter, dann Cerknica.


Ich versuchte mir alles gut einzuprägen und fuhr los. Wieder auf die Pist'. Steil bergauf, rumpeldibumpel, meine Packtaschen machten einen Köpfler. Ich montierte sie wieder und rumpelte weiter. Aaaaah Kreuz! Ich bog links ab, rumpelte durch diese hohle Gasse (Piste) bergab und landete tatsächlich in Cerknica. JUHUU! Geschafft! Die Packtaschen musste ich noch einmal fixieren, die rechte hing nur noch an einem Haken.

In Cerknica fand ich leider auch kein Gasthaus, aber ich fand ein Café. Zu essen gab's nix, dafür aber Wasser und Kaffee. 2 Kasbrote kaufte ich mir im Geißler nebenan. Auch gut.



Nach der Kasbrot-Wasser-Kaffee-Mittagspause in Cerknica schickte mich der EuroVelo 9 wieder auf die Piste. Ich fuhr in einen Wald, oder eigentlich in ein Naturschutzgebiet, auf teils grob schottrigem Weg mit Löchern, Furchen, bergauf und bergab. Erstaunlicherweise nannte sich diese Piste Straße Nr. 914! Straßen mit einer gelben Nummerierung hatten bisher etwas anders ausgesehen. Das Naturschutzgebiet, durch das ich fuhr, nannte sich Rakov Skocjan. Google gab Auskunft:

Rakov Skocjan ist ein Tal und seit 1949 Naturreservat in Innerkrain nahe der slowenischen Stadt Cerknica. Der Bach Rak hat sich durch die Karstfelsen geschliffen und somit zwei natürliche Brücken geschaffen: die kleine und die große Naturbrücke, die etwa 2,5 km auseinander liegen. Diese zwei -brücken sind der Ein- und Ausgang einer Höhle, die zusammenstürzt ist. Am Ende verschwindet der Fluss in der Weberhöhle. Diese diente 1964 als Kulisse bei der Verfilmung von Winnetou 2. Teil.

Man lese und staune!







Nach etwa 10 km Piste ging die Nr. 914 wieder in eine Asphaltstraße namens Nr. 914 über. 150 Höhenmeter fehlten mir noch. Die konnte ich auf Asphalt fahren, bevor ich in Postojna war. Die Stadtgrenze erreichte ich um 14 Uhr 39. Bevor ich jedoch in der Stadt war, bog ich ab in Richtung Burg Predjama. Ein zweites Mal ließ ich sie mir nicht entgehen!

Der kürzeste Weg führte mich gleich wieder auf die Piste. Eh klar. Na ja, ich war es schon gewöhnt. 5 km rumpelte ich dahin.

This is the way to the castle ....



Ähm wos???? Mein Navi zeigte mir ständig an: "fährt auf Straße". HA HA HA! Mein Navi schielt anscheinend!


Genau HIER beschloss ich, den Radweg Nr 2 zu verlassen und auf der Straße (auf der echten) weiterzufahren. Die war steil genug, teilweise bis zu 13 %, aber eben asphaltiert. Auf Schotter kann man mit einem Mountainbike fahren, OHNE Gepäck. Aber ich fuhr ja mit verschärften Bedingungen. Die Piste war ebenfalls bis zu 13 % steil, bergauf genauso wie bergab.

Eh klar, dass man zu einer Burg bergauf fährt. Burgen sind immer auf einer Anhöhe erbaut worden und nicht im Tal. Die Burg war absolut sehenswert! Ein Highlight meiner Tour.

Die Höhlenburg Predjama (Predjamski Grad, auch Höhlenburg Luegg) befindet sich bei dem Dorf Predjama (Luegg), neun Kilometer von Postojna entfernt. Die Burg befindet sich in einem Höhlenportal, genannt Erazmova Jama (Erasmushöhle). Archäologische Ausgrabungen in den 1950er Jahren erbrachten den Nachweis, dass diese Höhle zur Altsteinzeit bewohnt war. Im 12. Jahrhundert wurde in die unzugängliche Felswand eine Burg gebaut. Der Wohntrakt der alten Burg lag an der Stelle der jetzigen Anlage. Als Versteck diente das Loch (Luknja), das nur über einen Felsgrat an einem 60 Meter tiefen Abgrund erreichbar ist und von dem ein Geheimgang nach 38 Meter auf dem Berggipfel endete.

Die Anlage war im Besitz der Patriarchen von Aquileia und der Habsburger.

Bekanntester Burgherr war der Raubritter Erasmus von Luegg. Nach der Hinrichtung seines Freundes Andreas Baumkircher auf Geheiß des Kaisers tötete Erasmus im Streit einen kaiserlichen Verwandten und flüchtete vor der Todesstrafe auf die Burg Predjama. Die neue Burg mit ihrer heutigen drei- bis viergeschossigen Gestalt stammt aus dem Jahr 1570. Der Bau wurde durch Johann Cobenzl Freiherr von Prossegg zu Lueg veranlasst. Weitere Burgherren waren ab 1810 Graf Michael Coronini von Cronberg und 1846 ein Fürst Windisch-Graetz.

In der Burg und in Teilen der Höhle befindet sich ein Museum. Ich war mit Vollgepäck oben, außerdem hat die Zeit für eine Besichtigung nicht mehr gereicht. Vielleicht hätte ich doch noch eine zweite Übernachtung in Postojna einplanen sollen.







Ich setzte mich wieder aufs Rad und trat den Weg zurück nach Postojna an.

Hätte ich gewusst, dass ich doch sooooo steil bergauf fahren muss und dass ich auch auf Pistenabschnitte komme, hätte ich vorher im Hotel eingecheckt und wäre ohne Gepäck raufgefahren. Beim nächsten Mal dann. :-)

Das vorgebuchte Hotel erreichte ich um 16 Uhr 58. Und kaum war ich in der Halle, begann es zu schütten. Ich hab eine Reitschule von einem Zimmer. Mein Fahrrad steht zwischen Bett und Fenster IM Zimmer! Auch gut.

Mittagessen: Kasbrot vom Greißler mit Wasser und Kaffee in einem Café in Cerknica.
Übernachtung: Hotel Kras - Zimmer riesengroß, ruhige Lage, Frühstück ab 7 Uhr. WLAN funktioniert super. Preis gehoben. War für Postojna zu erwarten.
Abendessen: schaumamal, was die Stadt zu bieten hat. Im Hotel gibt's nix. Meine Haare sind nun trocken, ich düs los. Mein Magen knurrt.

Nachtrag: Ich bin bei einer Döner-Bude "eingekehrt". Pappteller, Becher für mein Mineralwasser. Ich hab tatsächlich nix gefunden. Viele Lokale haben geschlossen, manche nur Essen zum Mitnehmen und manche sind nicht wirklich einladend. Das hätte ich echt nicht erwartet.

Gesamtstrecke 83,73 km
Zeit in Bewegung 6 h 24'
Gesamtzeit 9 h 01'
Temperatur in der Früh 17 °C, tagsüber bis zu 26 °C
in der Früh starke Bewölkung und leichtes Nieseln, im Laufe des Tages zunehmend sonnig

Summe aller Steigungen: 1.216 m
Höhe Ljubljana: 293 m ü NHN
Höhe Postojna: 548 m ü NHN

1 Kommentar:

  1. Traumhafte Landschaft beim Rak, Predjama ist wirklich schön. Hamma eh schon geschrieben. Postojna und Restaurant ist so ein Thema...lgm

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