Freitag, 19. August 2022

Tag 14: Parenzana Teil 1 - Triest bis Kaštel (Nähe Buje)

Triest bis Kaštel:
 
In der Nacht ging ein weiteres Gewitter nieder, das sich buchstäblich gewaschen hat. In der Früh schüttete es noch immer aus Schaffeln. Nach dem Frühstück tröpfelte es nur noch ganz wenig, und bis ich auf meinem Rad saß, war der Regen vorbei. Ich brauchte meine Regensachen gar nicht auspacken. Gutes Timing! Mein Frühstück war feudal, der Kaffee herrlich.

Bei moderaten 19 °C fuhr ich los. Links ums Hotel, gegen die Einbahn, rüber auf den Gehsteig, noch einmal gegen die Einbahn, und ich war am Kai auf meinem Radweg. Ich fuhr gleich zum alten Bahnhof Campio Marzio, dem Ausgangspunkt der Parenzana. Noch ein Foto vom ersten Radwegschild der Parenzana, und es ging los - auf historischen Spuren.
 

 
Bist du g'scheit. Eigentlich war es eh klar. Um Triest zu verlassen, muss man bergauf fahren. Auch auf der Parenzana. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die ersten Kilometer auf der Parenzana wirklich dem Verlauf der historischen Bahnlinie entspricht. So zickzack und auf und ab kann die Bahn gar nicht gefahren sein. Ich brauchte 13,5 km und 140 Höhenmeter, um die Ortsende-Tafel von Triest zu erreichen. Die letzten Kilometer in Triest fuhr ich auf der Bundesstraße SS14 und ab Ortsende auf der Bundesstraße SP 14. Zusammen mit 56478302 Autos und LKWs.
 
In Muggia - nach gefahrenen 15,5 km - bog ich endlich in den eigentlichen Radweg ein. Und ab hier sah man auch, dass hier eine Bahn gefahren sein muss und ich meistens auf der Trasse unterwegs war. Ich fuhr diesen ersten Teil auf feinstem Asphalt. Der Radweg ist sehr gut ausgeschildert. Man sieht immer wieder Tafeln mit Erklärungen. Vielfach fuhr ich durch einen Wald, ab und zu durch ein altes Viadukt.
 
 
 
 
 
 
Bei Rabuiese / Skofje passierte ich die italienisch-slowenische Grenze. Weiter ging es auch hier durch Waldabschnitte, aber auch durch Auenlandschaften ...
 


 
 
 
... bis Koper, wo mich der Radweg ein Stück durch die Stadt lotste. Die Wolken verdichteten sich, wurden immer schwärzer und führten zu einem Wolkenbruch. Ich fand eine Busstation und wartete den Regenguss ab. Der Wolkenbruch dauerte Gott sei Dank nicht lange.

Ab Koper fuhr ich auf der Luxus-Tangente, Radweg und Fußgängerweg nebeneinander die Küste entlang. Zuerst dachte ich, die historische Parenzana-Bahn wird doch nicht genau am Meer entlang gefahren sein? Doch! Das ist sie tatsächlich! Das zeigen sogar alte Bilder, die an der Mauer neben dem Radweg hängen.




Auf der Luxus-Tangente blieb ich bis Izola. Und auch danach war ich in der Nähe des Meeres unterwegs und konnte es immer wieder sehen. Kurz nach Izola fuhr ich durch einen alten Tunnel. Er war nur schummerig beleuchtet, aber man konnte trotzdem gut sehen. Entrisch war es trotzdem :-)
 


Bei Strunjan ging es gleich durch den nächsten Tunnel, den längsten an der Parenzana.
 
 
 
 

Kaum war ich durch den Tunnel durch, ging es steil bergab (30 % Steigungsgrad!) nach Portoroz.
 

 
Auch hier ein Relikt aus der Zeit der alten Bahnlinie.
In Portoroz gönnte ich mir in einem Café am Wasser einen Toast mit anschließendem Kaffee.

Bei einem Campingplatz verhaspelte ich mich (ich kann das gut!) und nahm die falsche Abzweigung. Bergauf, weiter bergauf und noch weiter bergauf. Nein, das passt nicht zusammen mit meiner Route. Also alles wieder retour und direkt durch den Campingplatz mit anschließendem FKK-Strand. Ich hätte glatt baden gehen können. Hätte, hab ich aber doch nicht.

Nach dem FKK-Strand entdeckte ich zuerst einen alten kleinen Hafen und fuhr anschließend eine recht große Saline entlang.
 




Aaaah, noch 1,2 km bis zur kroatischen Grenze. Und diese war eine "echte" Grenze mit Passkontrolle und allem, was dazugehört. Das hatte ich bei der slowenischen Grenze nicht.

Und kaum war ich über der Grenze, hätte ich fast das nächste Parenzana-Schild übersehen. Im Dickicht, fast nicht zu sehen, zeigte der Pfeil nach rechts.
 


 
Aus war's mit dem feinen Asphalt. Der Radweg wurde allmählich immer sandiger. Und schon stand ich vor einem Tor mit einem Holzschild mit der Aufschrift PARENZANA - PUT MULINO. Eingang zur kroatischen Parenzana? Sah zumindest so aus.
 

 
Von nun an ging's wild schottrig weiter. Naturbelassen kann man auch sagen. Und so gesehen finde ich es auch gut, dass man die Strecke nicht asphaltiert und lackiert hat, sondern den ursprünglichen Charakter eines historischen Bahntrassenradweges belassen hat. Ich wusste das und war darauf eingestellt. Mit einem Rennrad kann man diesen Teil der Parenzana sicher nicht fahren. Ausgeschildert ist die Parenzana aber auch hier in Kroatien sehr gut.

Gleich einmal auffi und um die erste Kehre.
 

 
Von nun an ging's bergauf. Allerdings nicht steil. Steil bergauf hätte die Bahn damals sicher nicht fahren können. Der maximale Steigungsgrad lag bei 5 %. Aber eben holprig, wild, ruppig, schottrig. Rumpeldibumpel.







Ich "kletterte" langsam höher und hatte anfangs einen schönen Blick aufs Meer. Das blieb aber nicht lange so. Die Strecke machte eine Kurve und entfernte sich vom Meer. Meine Packtaschen musste ich immer wieder fixieren, das Rumpeln hebelte sie immer wieder aus dem Packlträger. Aaaah ein Kilometerstein! Bei meinem schleichenden Tempo kamen mir die Abstände zwischen den Kilometersteinen groß vor. Langsam ernährt sich das Eichhörnchen - oder langsam rumpelt es sich auf Schotter.


 
Kurz vor Buje verließ ich die Parenzana und fuhr auf der nahegelegenen Bundesstraße 21 nach Kaštel zu meinem Quartier, das ich vor ein paar Tagen telefonisch reserviert hatte. Mein Navi hat mich direkt vor die Haustür geführt. Ich war um 16 Uhr 10 da. Öhm ... sprachliche Barrieren haben dazu geführt, dass mein Quartier doch nicht 15, sondern 50 Euro kostet. Na ja, auch gut. Es ist sauber, die Vermieterin hat den Kühlschrank gefüllt. Ich hab 2 kg frische Feigen bekommen. Hiiimmmmmlisch! Und ich bin wieder versöhnt.

Abendessen wollte ich zuerst bei der Tante Christa (laut googlemaps ein Restaurant), die war aber  eine Fehlanzeige, sodass ich in den Ort ging und ein kleines Beisl fand. Gemischter Grillteller, Ajvar, dazu eine riesengroße Schüssel Salat und Brot sowie ein Liter Mineralwasser. Ich bin quasi abgefüllt :-)

Meine heutige Etappe war anstrengend, ich bin doch recht viel auf Schotter und Sand gefahren. Gut geschüttelt sozusagen. Aber sie war beeindruckend! Landschaftlich war sie total schön und abwechslungsreich. Immer wieder völlig konträr zwischen Uferpromenade am Meer und leicht bergig waldig, Wiesen und Felder genauso wie kleine Dörfer und als Draufgabe ein paar Tunnels, Viadukte und ähnliche Relikte aus der historischen Bahnlinie. Einfach TOLL und lohnenswert.
 
Mittagessen: Toast in einem Café in Portoroz direkt am Meer
Übernachtung: Zimmer bei Suzana - eigentlich hab ich eine ganze Wohnung mit großer Wohnküche und separatem Schlafzimmer und Badezimmer, herrlich ruhige Lage (ganz abseits der Straße), Frühstück bestimm ich selbst. WLAN funktioniert etwas langsam, aber immerhin funktioniert es. Preis trotz sprachlichem Missverständnis in Ordnung
Abendessen: in einem Beisl namens "Maslinova Grana" im Ort, Grillteller mit Zwiebeln, Ajvar, Salat und Brot. Hat gut geschmeckt!

Gesamtstrecke 73,00 km
Zeit in Bewegung 5 h 01'
Gesamtzeit 8 h 12'
Temperatur in der Früh 19 °C, tagsüber bis zu 28 °C
in der Früh starke Bewölkung nach dem Gewitter, ein kurzer Wolkenbruch in Koper, danach zunehmend sonnig

Summe aller Steigungen: 578 m
Höhe Triest: 13 m ü NHN
Höhe Kaštel: 161 m ü NHN





1 Kommentar:

  1. Voll die coole Strecke diesmal. Da wär ich gern dabei gewesen. Bin schon gespannt auf teil2 lgm

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