Samstag, 20. August 2022

Tag 15: Parenzana Teil 2 - Kaštel (Nähe Buje) bis Motovun

Kaštel bis Motovun:
 
Operation gelungen - Patient tot ...
 
Na ja, ich hab's eh überlebt :-) Ich bin ja hart im nehmen. Wenn man das nicht ist, braucht man sich hier gar nicht erst aufs Radl setzen. Ich hab sogar die letzte Nacht mit meinen Mitbewohnern überlebt! Beim Frühstück schaute ich so belanglos unter den Tisch .... aaah .... oooooh .... Da krabbelte etwas 4 cm langes mit vielen Beinen, da huschte etwas kleineres mit Scheren vorne unter den Teppich, an der Wand kroch etwas. Öhm. Bevor ich losfuhr, leerte ich noch alle meine Packtaschen aus, kontrollierte alles, schüttelte alles aus und räumte alles wieder ein. Ich will ja keine Mitbewohner im Gepäck mitnehmen. So weit kommt es noch, dass ich blinde Passagiere auf die Parenzana mitnehme! Da sag ich eindeutig NEIN!
 
Der Tag begann mit einem strahlend blauen Himmel und dem dazugehörigen Wetterbericht: Sonne - Sonne - Sonne bei bis zu 31 °C. In der Früh war es sogar angenehm kühl und nicht so schwül dampfig wie in Triest. Mein Frühstück machte ich mir selbst: in der Küche waren Löskaffee, weiße Weckerl, Butter, Marmelade und Joghurt vorbereitet. Dazu Leitungswasser. Um 8 Uhr 21 fuhr ich los. Ich musste zuerst auf der Bundesstraße 21 wieder zu dem Punkt fahren, wo ich die Parenzana gestern verlassen hatte. In der Nähe von Buje hatte ich sie wieder. Holprig, wild, ruppig, schottrig, rumpeldibumpel ging es in die nächste Runde.






Öhm ... links oder rechts? Aaaaaah, das Fahrradschild zeigt nach links! Sehr gut! Ich hab nachgelesen, dass man vor ein paar Jahren noch rechts fahren MUSSTE, weil man links nach der nächsten Kurve durch einen Tunnel fährt, der damals noch nicht restauriert und somit nicht befahrbar war.



Ja, auch heute standen wieder Tunnels auf dem Programm. In verschiedenen Längen mit unterschiedlich intensiver Beleuchtung.

Kurz vor Groznjan stand ich auf einmal vor dem alten Bahnhofsgebäude. Das Gebäude ist gut erhalten und wird heute als Wohnhaus genutzt.



Groznjan war gleichzeitig auch mein erster Berg des Tages bzw. der erste Berg der Parenzana überhaupt. Ich war hier auf 300 m Höhe, diesen Anstieg hab ich allerdings mit einem moderaten Steigungsgrad von maximal 4 % gemacht. Und einen ersten kleinen Teil des Anstiegs hab ich sowieso schon gestern bis Kaštel erledigt. Also halb so wild. Beim Blick auf Groznjan (das noch ein paar Meter höher liegt) fiel mir auf, dass man das Meer sehen konnte! Was für ein toller Blick auf Groznjan und auf die Meeresbucht.



 
 
Kaum war ich an Groznjan vorbei, ging es wieder in den Wald, wobei der Wald immer mehr in einen Urwald überging. Vielfach waren die Relikte aus der Zeit der alten Bahnlinie verwildert zugewachsen. Und es folgten weitere Tunnels. Lange, kürzere, gut beleuchtete, fast gar nicht beleuchtete.
 





Ich fuhr durch alte Unterführungen, konnte einen Blick von oben auf die Parenzana werfen, fuhr über alte Brücken - teils renovierte, teils mit rostigem Geländer, ich passierte alte verfallene Gebäude, ...







Auch heute kam ich immer wieder an Kilometersteinen vorbei, wobei sie mittlerweile nicht mehr in 1 km - Abständen auftauchten. Vielleicht existieren manche nicht mehr? Vielleicht sind manche nur überwuchert und nicht mehr erkennbar? Auf jeden Fall steht auf den Kilometersteinen jeweils TPC, die Abkürzung für Triest - Parenzo - Canfanaro (dem ursprünglich geplanten Endpunkt der historischen Bahnlinie).


In Završje (den Ort nannte mir mein Navi, gesehen hab ich nix von einer Ortschaft) stand ich auf einmal vor meinem ersten Viadukt! Seit gestern wartete ich auf die Viadukte! Das Hintergrundbild meines Blogs ist ein Foto von einem Viadukt (aus dem Internet). Und nun stand ich live vor einem! Coooool!





Ein paar Minuten später kam das nächste. Antonci. Diese Bauwerke sind so beeindruckend! Ich war ganz hin und weg.



Über das Viadukt Freski schob ich mein Rad. Der Boden war ein einziger Schotter-Steine-Haufen. Gefolgt war es gleich von einem Tunnel.


Hier traf ich zwei italienische Wanderer. Manche Leute wandern entlang der Parenzana. Ich war auch heute nicht alleine unterwegs. Abgesehen von den beiden Wanderern traf ich immer wieder Radfahrer, allerdings fast ausschließlich ohne Gepäck. Nur gestern sah ich eine Radfahrerin mit Gepäck. Sie schob ihr Rad, schnaufte und keuchte und verließ schließlich die Parenzana, um auf einer nahegelegenen Straße weiterzufahren.

In Livade - dem Tal zwischen den beiden Bergen auf 6 m ü NHN machte ich Mittagspause. Geld hatte ich keines, Bankomat sah ich auch keinen, also verputzte ich mein Restfrühstück von heute Früh samt Rest aus meinen Wasserflaschen am Wegesrand.
 

 
Aus der Ferne konnte ich bereits Motovun sehen, mein heutiges Etappenziel.
 
 
Vor mir zweigte rechts der Abschneider nach Motovun ab, aber ich beschloss, die Parenzana noch weiter rund um den Motovun-Berg zu fahren und von Süden hinaufzufahren. Ja, nach Motovun muss man hinauffahren! Livade liegt auf ca. 6 m und Motovun auf 278 m. Also auffi auf den Berg. Zuerst moderat bergauf auf der Parenzana, die mich noch durch einen stockfinsteren Tunnel schickte, bevor ich die Berganfahrt nehmen konnte.
 
 
Zuerst steil bergauf, um auf die Straße zu kommen. Ufff.... 18 % Steigung. Die Auffahrt war aber Gott sei Dank nur kurz. Danach ging es auf der Straße in 3 Kehren mit 8 %, 10 %, 11 %, 12 % weiter, bis ich in der Stadt war. Damit war ich aber noch nicht fertig. Ich hatte erst die Stadtgrenze erreicht und musste nun auf sehr schmalen Gasserln mit Kopfsteinpflaster eine größere Runde um den Stadtkern drehen, um den höchsten Punkt zu erreichen. Ohne Fleiß kein Preis! Das letzte Stück hab ich zugegebenermaßen geschoben. Mir kam ein Auto entgegen, links und rechts war kein Platz, also musste ich sowieso absteigen. Und dann hab ich den Rest geschoben, bis ich oben war.
 
 
 
Einchecken konnte ich auch gleich. Ich hatte über Booking.com ein Bed & Breakfast gebucht (siehe Foto oben) und auch gleich gefunden. Ich musste eh nur zweimal um die Kirche rundherum fahren, bis ich es entdeckt hatte. Ein Klacks sozusagen. Der ganze Ort (Stadt ist etwas übertrieben) besteht nur aus steilen Kopfsteinpflastergasserln, die so schmal sind, dass ein Auto gerade exakt durchpasst oder ein Fahrrad mit Ach und Krach umdrehen kann. Na ja, mit dem Fahrrad kann ich wenigstens den Lenker einschlagen, wenn ich umdrehen will :-)

Motovun (kroat.) oder Montona (italienisch) ist eine Stadt in der Region Istrien im Nordwesten Kroatiens mit heute etwa 500 Einwohnern. Sie liegt 277 m über dem Meer auf einem steilen, isolierten Hügel über dem Tal der Mirna.
Die Gegend um Motovun/Montona war früh besiedelt. Vorrömischen Völkern diente der Hügel als Fluchtburg. Zur Zeit der Römer nannte sich die Siedlung "Montana", wie sie heute noch im italienischen heißt. Nach dem Niedergang des weströmischen Reichs gegen Ende des 5. Jahrhunderts befand sich Motovun/Montona unter der Herrschaft des Byzantinischen Reichs oder unter dem Einfluss der Langobarden. Ab dem 10. bis ins 13. Jahrhundert stand die entstehende Stadt abwechselnd unter der Herrschaft der Bischöfe von Poreč/Parenzo und der Patriarchen von Aquileia. Im Jahr 1278 kam Motovun-Montona in venezianischen Besitz, in dem es bis zum Ende der venezianischen Republik am Ende des 18. Jahrhunderts verblieb.
 
Nach dem Zerfall der Republik Venedig (1797) und durch die Gründung des Königreichs Italien im Jahr 1805 geriet Motovun-Montona, wie die gesamte Region Istriens unter den Machteinfluss Napoleons. Am Wiener Kontress 1815 wurde Motovun/Montona unter die Herrschaft der Donaumonarchie gestellt
 
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte die Region Istrien durch den Vertrag von Saint-Germain einige Jahre zu Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Istrien und somit Motovun/Montona ein Teil von Jugoslawien. In der Folge des Zweiten Weltkriegs verließ die – überwiegend italienische – Bevölkerung Motovuns/Montonas die Stadt.
 
Die venezianische Herrschaft gab Motovun/Montona das heutige Bild. Die Stadt ist zur Gänze von einem um 1300 erbauten inneren und einem im 16. bis ins 17. Jahrhundert errichteten, äußeren Mauerring mit Wehrtürmen und Stadttoren umgeben. Die Häuser sind venezianisch geprägt.
 
 
Zu allererst war eine (notwendige) Dusche angesagt. Und dabei ist mir gleich die gesamte Duschstange samt Vorhang auf den Kopf gefallen. Duschtasse ist beim Duschen übergegangen, das Badezimmer ist nun geflutet. Ähm ... jo ... Aber sonst passt eh alles in meinem Zimmer. Anschließend bin ich spazieren gegangen, um mich in Motovun umzusehen. Der Ort ist so nett und so hübsch! Der Blick runter ins Tal ein Traum. Während meiner Auffahrt hatte ich noch überlegt, ob ich morgen einen Abschneider nehmen soll, um nicht die Schleife um den ganzen Ortskern drehen zu müssen??? Aber beim Spazierengehen hab ich diese Idee wieder verworfen. Der Abschneider ist noch steiler! Und das wäre mir bergab auch zu riskant auf Kopfsteinpflaster.
 
 
 
 
 
 
 
 














 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das letzte Foto war beim Abendessen. Ich hab auch sehr gut zu Abend gegessen. Die Auswahl an Lokalen war groß. Ich glaub, hier gibt es mehr Restaurants und Hotels als Wohnhäuser :-) Viele Touristen tummeln sich allerdings nicht.

Meine heutige Etappe war mindestens genauso anstrengend wie die gestrige. Ich bin heute ausschließlich Piste gefahren. Und als Zugabe bin ich dann noch steil bergauf nach Motovun geradelt. Aber die Etappe war trotzdem richtig toll! Landschaftlich war sie schön, Wald bis Urwald, Blick ins Tal, Blick vom Tal auf den Berg (Groznjan genauso wie Motovun), die historischen Bauwerke an der Parenzana waren beeindruckend.  Tunnels, Viadukte, über die ich heute sogar drübergefahren bin, und Relikte aus der historischen Bahnlinie. TOLL! Und Motovun lohnt auf alle Fälle den Steilanstieg.
 
Mittagessen: Rest vom Frühstück am Wegesrand in Livade
Übernachtung: Bed & Breakfast - Zimmer sauber und in Ordnung, die Duschstange ist lose, das Badezimmer schwimmt, aber sonst passt eh alles. Frühstück hab ich für 7 Uhr 30 aus verhandelt. WLAN funktioniert sehr gut. Preis gehoben
Abendessen: himmlisch! Gegessen hab ich Gnocchi mit Mangold und Käsesauce in einem der vielen Lokale am Hauptplatz.

Gesamtstrecke 37,61 km
Zeit in Bewegung 3 h 30'
Gesamtzeit 5 h 40'
Temperatur in der Früh 17 °C, tagsüber bis zu 31 °C
Sonne pur den ganzen Tag

Summe aller Steigungen: 377 m
Höhe Kaštel: 161 m ü NHN
Höhe Motovun: 262 m ü NHN


3 Kommentare:

  1. Sowas von schöööön…..Gott sei dank kommt man dort mit dem Auto nicht hin, sonst wäre es schon überlaufen…lag uschi

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  2. Motovin. Immer einen Abstecher wert. Ich beneide dich grad sehr heftig. Die Strecke war super schön.

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