Pavia bis Casale Monferrato:
Das Frühstück war auch heute gut und reichlich. Ich war die erste, die beim Frühstück saß. Gestern waren abgesehen von mir um die 15 Radfahrer im gleichen Hotel. Das war heute ganz und gar nicht. Ich glaub, ich war die einzige.
Bei 20 °C fuhr ich los. Der Wetterbericht sagte Gewitter für den frühen Nachmittag bei Temperaturen bis zu 33 °C voraus. Außi aus der Stadt, über die historische alte Brücke über den Ticino und Richtung Süden. Pavia liegt ja nördlich vom Po. Da die Stadt aber historisch interessant ist, führt der Poradweg weg vom Po durch die Stadt und danach wieder zurück.
10 km fuhr ich südwärts, bis ich wieder den Po erreicht hatte. Und dann ging es auf .... ähm .... SCHOTTER weiter. Na super. Rumpeldibumpel.
Nach weiteren 5 km hatte ich genug von der Rumplerei und verließ die Piste wieder, um in Richtung Nordwesten eine SP-Straße zu suchen. Ich fand zwar zuerst eine SS-Straße, diese war allerdings gar nicht so schlimm und nur wenig befahren. Gott sei Dank! Die SS-Straßen haben zwar den Nachteil, dass man nicht durch Ortschaften fährt und die Streckenführung meistens öd ist, dafür kommt man aber immer wieder an Tankstellen vorbei, in denen man sich Kaffee, Wasser, Orangensaft oder ein Croissant kaufen kann. Shops wie bei uns haben die Tankstellen hier allerdings nicht. Meine Banane des Tages stammt vom gestrigen Hotel-Frühstücksbuffet. So viel zur Frage: gibt es in Italien keine Supermärkte? Da, wo ich unterwegs bin, nicht.
Ich fand aber bald eine SP-Straße. Bzw. fand ich heute sogar mehrere SP-Straßen. Ich hielt mich auch heute nicht immer an die Poradroute, sondern fuhr gelegentlich auch auf einer SP-Straße, weil die Poradroute einige Male in Piste überging und ich nicht auf Schotter oder Sand fahren wollte. Auf diese Weise dürfte ich sogar den Kontinent gewechselt haben ....
Ich fuhr heute durch viele kleine Ortschaften und Dörfer an meinen verschiedenen SP-Straßen. Und das fand ich sehr nett. Auffallend war, dass viele Cafés oder Restaurants geschlossen hatten. Das war nicht nur heute in kleineren Ortschaften so, das ist mir auch in den letzten Tagen aufgefallen.
Im Laufe des Vormittags zogen - wie angekündigt - immer mehr Wolken auf. Und als ich ein Café in Frascarolo fand, begann es zu tröpfeln. Das nenn ich gutes Timing! Während ich mein üppiges Mittagsmahl verspeiste, schüttete es.
Am Nebentisch sammelte sich langsam eine Gruppe Männer höheren Alters und begann angeregt zu diskutieren. Die Zahl schwankte zwischen 5 und 9. Ich verstand natürlich gar nichts. Mich wunderte aber, dass es nicht italienisch klang. Ich glaub, ich muss mich schlau machen, welche Sprache in der Lombardei gesprochen wird. Ein Dialekt oder eine ganz andere Sprache? Leider ist es sehr schwer, Menschen zu fotografieren, ohne dabei aufzufallen. Ein Foto ist mir unbemerkt gelungen.
Als der Regen abgeklungen hatte, fuhr ich weiter. Und bald schon zeigte der Himmel wieder blaue Abschnitte. Der Regen brachte auch Abkühlung mit sich. Bis zur Mittagspause hatte es noch 33 Grad, nach dem Regen waren es nur noch 22 Grad. Gut so!
Kurz nach meiner Mittagspause in Frascarolo fuhr ich noch einmal kurz auf eine SS-Straße. Einerseits wegen meiner heutigen Übernachtung auf der anderen Seite des Po (die SS 494 führt auf einer Brücke über den Po), andererseits wegen eines weiteren Pistenabschnitts des Poradweges. Die Piste, die man unten rechts neben der Straße sieht, kreuzte die Straße. An diesem Punkt verließ ich die Piste spontan, um auf der Straße weiterzufahren.
Ich verließ die Lombardei und bin nun in der Provinz Alessandria unterwegs. Nach der Brücke konnte ich aber auf einer SP-Straße weiterfahren, die kaum befahren war.
Apropos Alternativrouten und Abkürzungen. Bereits gestern verlängerte ich meine Etappe um 20 km, da ich in Spessa (meinem eigentlichen Etappenziel) kein Quartier fand. Das wiederholte ich heute bewusst und verlängerte ebenfalls meine Etappe. Und auch für morgen verlegte ich mein Etappenziel. Turin wäre mein Ziel gewesen, aber ich fahr morgen durch Turin nur durch oder außen herum - das entscheide ich morgen spontan - und werde mir morgen Turin nicht anschauen. Das ist auf nächstes Jahr verschoben. Damit verkürze ich meine darauffolgenden Etappen, die eine Herausforderung sein werden. Pause mache ich morgen trotzdem. Die brauche ich mittlerweile.
Kurz vor meinem Etappenziel Casale Monferrato kam ich noch an einer Burg vorbei: Castello di Pomaro.
Mein Quartier - diesmal ein Bed & Breakfast, das etwas in die Jahre gekommen ist - erreichte ich um 15 Uhr. Klimaanlage gibt es keine, nur einen rhythmisch ratternden Quirl, der die warme Luft verquirlt. Da ich vorhin meine Haare geföhnt hab, verquirlt der Quirl die auf 32 Grad angestiegene Raumtemperatur. Ich hoffe, es kühlt in der Nacht ab. Bei dem Rattern kann ich nicht schlafen. Und Alternative wäre dann nur noch, dass ich kaltes Wasser in der Badewanne einlasse und in der Badewanne schlafe. Klopapier gibt es hier auch keines. Aber in der Nähe gibt es einen Supermarkt!
Mittagessen: Panini mit Schinken und Käse in einem Café in Frascarolo
Übernachtung: Bed & Breakfast Magnolia - Zimmer sowie Wohnzimmer und Badezimmer sind riesengroß, ich glaub ich hab eine Reitschule gemietet; sauber, etwas heruntergekommen/desolat; Klopapier gibt es keines; WLAN funktioniert holprig. Preis eigentlich eher teuer für die Qualität und Leistung
Abendessen: schaumamal, was der Ort bietet
Nachtrag: Essen gleich ums Eck in einem Steak House. Gegessen hab ich Bud Spencer. Hat super geschmeckt. Und nun bin ich satt.
Gesamtstrecke 85,85 km
Zeit in Bewegung 4 h 45'
Gesamtzeit 7 h 01'
Temperatur in der Früh 20 °C, tagsüber bis zu 33 °C
Sonne am Vormittag, Wolken und Regen um die Mittagszeit, am Nachmittag bewölkt und keine Sonne mehr
Summe aller Steigungen: 145 m
Höhe Pavia: 74 m ü NHN
Höhe Casale Monferrato: 121 m ü NHN



























































