Sonntag, 21. August 2022

Tag 16: Parenzana Teil 3 - Motovun bis Poreč

Motovun bis Poreč:
 
Frühstück bekam ich heute wieder quasi vorgesetzt. Die Auswahl war recht üppig, ich war zufrieden. Die Sonne schien, es hatte 17 °C, und die Wetterprognosen waren gut.
 
Um 8 Uhr 12 fuhr ich los. Uaaaah. Neben dem Haus ging es gleich steil bergab. Und das auf Kopfsteinpflaster! Ich stellte fest, dass es bergab genauso steil war wie gestern bergauf! Ich zog es vor, mein Rad bergab zu schieben. Tatsache. Bis ich aus dem Stadtkern draußen war, schob ich bergab und hielt dabei beide Bremsen bis zum Anschlag. Aber dann - endlich auf Asphalt - war die Abfahrt lässig. 12 % bergab, 3 Kehren, und ich war auf der Hauptstraße. Dann kam noch die 18 %ige Abfahrt runter zur Parenzana, und ich konnte in die nächste Runde holprig, wild, ruppig, schottrig, rumepdibumpel gehen.
 




 
Auch heute fuhr ich wieder über Viadukte. Dabei traf ich einen Italiener, der aus Udine einen Ausflug zur Parenzana machte. Wenn man so nah wohnt, kann man die Parenzana als Wochenendausflug nutzen. Für mich war die Anreise ein bissl länger :-)



An einem der Aussichtspunkte traf ich sogar eine Familie mit zwei Kindern, die ebenfalls alle mit dem Rad unterwegs waren. Hut ab, wenn Kinder auf dieser Piste radeln!


Oh ..... Wie gut, dass ich schon vorher in den Büschen war. HIER darf ich ja wohl nicht! Viži nada ...
Auf was man alles achten muss!

Hier sah ich wieder Relikte aus der Vergangenheit: Gebäude, die wie ein alter Bahnhof aussahen. Ob ich damit recht hatte, war ich mir allerdings nicht sicher.



 
Und das Lokdenkmal steht genau am Wegesrand an der Parenzana samt Kilometerstein 102. Ich konnte hier auch einen Hauch von Asphalt aus sicherer Entfernung sehen! Immerhin!
 


Im Internet hab ich gelesen, dass der restaurierte Teil der Parenzana hier in Vižinada endet und dass der Abschnitt bis Poreč noch nicht hergerichtet bzw. ausgebaut ist und daher schwer befahrbar sein soll. Nicht empfehlenswert, wie ich an verschiedener Stelle gelesen habe. Hindert mich das? Nein, oder? Wenn ich etwas in Angriff nehme, dann richtig. Ganz oder gar nicht. Also ganz - vom ersten bis zum letzten cm des Bahntrassenradweges. Halbe Sachen gibt's bei mir nicht. Also weiter. Den nächsten Wegweiser in Richtung Višnjan konnte ich klar erkennen.




Geht doch eh :-) Solange ich noch fahren kann und nicht schieben muss, ist alles halb so wild. Seit Vižinada hat sich die Landschaft allmählich verändert. Zuerst fuhr ich noch durch Waldabschnitte, dann an Weinbergen und Feldern vorbei, stetig leicht bergab.
 
Bei Kilometer 105,8 erreichte ich den Haltepunkt Baldaši, den jüngsten Bahnhof an der Strecke. Im Hintergrund kann man das Bahnhofsgebäude erkennen. Es ist heute in Privatbesitz, wie viele der alten Gebäude an der Strecke.




An den Weinbergen vorbei war es sogar recht angenehm zu fahren. Kaum Steine, dafür ein angenehmer Untergrund. Leider blieb es nicht so. Aus angenehmem Untergrund wurde wieder ruppiger Schotterboden. Und auf einmal musste ich die Autobahn A 9 unterqueren. Die Wegweiser lotsen mich auf die Fahrbahn einer Hauptverkehrsstraße, die ebenfalls unter der Autobahn durchging. Ja, so macht man das :-) G'schwind, bevor das nächste Auto kommt.



Bei Kaštelir-Labinci traf ich wieder auf ein altes Parenzana-Gebäude, das zu einem Café umfunktioniert wurde.



Der nachfolgende Abschnitt war ziemlich ruppig. Mein Navi löste zweimal Alarm aus. Unfallalarm! Das macht es eigentlich nur nach einem Sturz. Aber wenn das gesamte Rad so stark rumpelt, dass das Navi wie bei einem Sturz erschüttert wird, kann es einen Alarm auslösen. Ich hatte genau eine Minute Zeit, um den Alarm zu deaktivieren. Stress lass nach ...



Meine Packtaschen machten natürlich auch mehrmals einen Köpfler. Aber das sind sie schon gewöhnt.

Višnjan präsentierte mir wieder ein altes gut erhaltenes Bahnhofsgebäude, das ebenfalls als Wohnhaus genutzt wird!
 

 Gleich danach wurde ich wieder auf die Piste gelotst, die nun doch immer ruppiger wurde.

 
 

Aber ausgeschildert war die Strecke nach wie vor gut. Und auch die immer wiederkehrenden Kilometersteine waren ein Indiz dafür, dass ich direkt auf dem Bahntrassenradweg unterwegs war.

 
Öhm ja... auch Piste neben der Straße blieb heute nicht aus, aber dieser Abschnitt war wirklich nur kurz. Nach dem Kilometerstein 118 wurde es verwirrend. Die Schilder waren zuerst nicht eindeutig, ich fuhr einmal im Kreis, bis ich wieder Pfeile, aber kein Parenzana-Schild erkennen konnte. Die Wegweiser zeigten auf die Umgehungsstraße von Poreč Nr. 75. Und auch laut meinem Navi setzte sich die Strecke auf der anderen Seite der Umgehungsstraße fort. Ich traute mich allerdings nicht, sie mit dem Rad zu überqueren, und machte mich auf die Suche nach einer anderen Möglichkeit, auf die andere Seite der Straße zu kommen. Ich landete im Dickicht, Urwald, Gestrüpp, entdeckte eine Unterführung unter der Umgehungsstraße und fand die Parenzana wieder auf der anderen Seite bei Kilometer 119.
 
 
 

Der letzte Kilometerstein, den ich an der Parenzana sah, war der Kilometer 120.


Ich war zu diesem Zeitpunkt schon mitten in Poreč. Kurz nach dem Kilometer 120 war es aus mit Schotter und Piste, die Parenzana-Wegweiser schickten mich über städtische Radwege ans Meer. An der Uferpromenade nahe am Strand entdecke ich weitere Schilder, die auch meinen Standort kennzeichneten und aus denen ersichtlich war, dass keine 200 m entfernt das Ende der Parenzana mit dem Bahnhof von Parenzo / Poreč lag.



 

Und hier ist er schon:





Ich hab's geschafft! Ich bin die gesamte Parenzana vom Startpunkt am Bahnhof Campo Marzio in Triest bis zum Bahnhof Poreč / Parenzo gefahren. Bis auf ein paar Meter in der Nähe von Buje, wo ich auf die Straße ausgewichen bin, bin ich ihn auch richtig gefahren, ohne Umfahrungen zu nutzen.

Wenn ich die Abschnitte Revue passieren lasse:
 
der erste Teil von Triest bis Muggia war wenig spannend. In Triest wurde ich auf Radwegen zick zack durch die Stadt und dann auf die Hauptstraße gelotst. In weiterer Folge war ich auf der Bundesstraße bis Muggia unterwegs. Dieser Teil ist entbehrlich.

Ab Muggia fuhr ich auf asphaltierten und gut ausgeschilderten Radwegen durch richtig schöne Landschaften, fast alles flach. Einige Tunnels und historische Unterführungen waren dabei, die an die alte Bahnlinie erinnerten. In Koper und Izola fuhr ich das Meer entlang, und danach eine Saline. Traumhaft schön.

Ab der kroatischen Grenze wurde die Parenzana holprig, ruppig und wild. Viel Schotter und viele steinige Pisten, zwei moderate Anstiege, dafür aber eine naturbelassene sehr schöne Landschaft. Die Relikte aus der historischen Bahnlinie häuften sich mehr als davor. Die Viadukte, über die ich fuhr, kann ich gar nicht mehr zählen, ebenso die vielen Tunnels und alten Brücken. Alte Bahnhöfe konnte ich bewundern. Die Landschaft war teils bergig schroff und bizarr, dann wiederum dicht bewaldet und hatte mitunter sogar Dschungelcharakter. Und zuletzt war die Landschaft gekennzeichnet durch Weinberge, Felder und Wiesen. Ortschaften wie Groznjan und Motovun ergänzten das Bild. An Buje bin ich nur am Rande vorbeigefahren. Ein Besuch in der Ortschaft hätte sich sicher gelohnt. Den Bahnhof von Buje hab ich leider verpasst. Gerade die Naturbelassenheit fand ich im kroatischen Abschnitt schön und lohnenswert. Die paar kurzen Abschnitte, auf denen es besonders arg gerumpelt hat, nahm ich gerne in Kauf.
 
Fazit: Sollte ich die Parenzana noch einmal fahren, würde ich sie ab Muggia starten. In Kroatien würde ich die paar Meter bei Buje und im letzten Abschnitt in der Gegend um Višnjan, wo die Piste unmittelbaar neben der Straße verläuft, umfahren. Abgesehen davon würde ich mein Gepäck zurücklassen bzw. durch minimalistisches Gepäck ersetzen. Mit Vollgepäck ist so eine Tour ganz sicher mühsamer als mit Leichtgepäck.

Ich bin froh, die Parenzana gefahren zu sein!

Poreč erreichte ich eigentlich schon um 12 Uhr. Bis ich am Meer war, war es 12 Uhr 30. Bevor ich mein Quartier aufsuchte, machte ich noch einen Besuch beim Bahnhof und drehte eine kleine Besichtigungsrunde. Mein Quartier - ein Zimmer ohne nix - erreichte ich um 13 Uhr 12. Abendessen war ich auch schon.

Morgen geht's zurück nach Triest, um meine Tour fortzusetzen. Die Parenzana war ja nur ein Teil davon.
 
Mittagessen: nix
Übernachtung: Privatzimmer - Zimmer sauber und in Ordnung. Frühstück muss ich mir morgen selbst organisieren. Ich hab ein Café in der Nähe entdeckt, das ab 7 Uhr geöffnet hat. Einen McD gäbe es auch in der Nähe. Ich befürchte allerdings, dass er kein Wiener Frühstück anbieten wird, so wie die McD in Wien. Irgendwas werde ich schon finden. WLAN funktioniert sehr gut. Preis gehoben
Abendessen: ein Gedicht! Gegessen hab ich Taglatelle mit Meeresfrüchten am Hautplatz in der Nähe der Kirche.

Impressionen aus Poreč:
 





 
Gesamtstrecke 38,51 km
Zeit in Bewegung 3 h 16'
Gesamtzeit 5 h 00
Temperatur in der Früh 17 °C, tagsüber bis zu 31 °C
Sonne pur den ganzen Tag

Summe aller Steigungen: 194 m
Höhe Motovun: 262 m ü NHN
Höhe Poreč: 12 m ü NHN
 

4 Kommentare:

  1. Wenn's irgendwie geht, nimm Dvigrad mit. Sehr coole Ruine

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    1. Bin schon wieder zurück in Triest. Ich bin auch gerade anonym wie ich sehe. Muss mich anmelden zum antworten. G.

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  2. Also bis Porec hab ich es schon 1966 geschafft. Urlaub in der Plava Laguna….im Jahr 2017/18 haben wir Silvester in Porec verbracht…also Porec kenn ich recht gut….aber die Strecke die Du gefahren bist….reiz mich, aber ich fahr ja nicht mehr Rad….wie kommst nach Triest? Schiff oder normale Straße…..

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  3. Schiff?????? Ich bin mit dem Rad zurück nach Triest gefahren. Teils Küste (Kroatien) und ab Valica bin ich wieder Parenzana gefahren. 3 km kroatische Piste und dann den asphaltierten Teil Slowenien und Italien. Mir war es echt zu mühsam auf der D75 mit vielen Autos und LKWs.

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